Konjunkturumfrage 1/21

Wirtschaft fordert Verlässlichkeit von Politik

Die Unternehmerinnen und Unternehmer im Oldenburger Land beklagen massiv die öffentliche Uneinigkeit der Politik im Hinblick auf die Bekämpfung der Covid-19 Pandemie. Das Hin und Her zwischen Lockdown und weiteren Öffnungen hat unserer Einschätzung zufolge mit dazu beigetragen, dass sich die aktuelle wirtschaftliche Erholung leicht abgeschwächt hat. Lediglich die Aussicht, dass die Impfkampagne ab dem zweiten Quartal 2021 an Fahrt gewinnen und sich damit die Wirtschaft schneller erholen könnte, lässt den IHK-Konjunkturklimaindex, das wirtschaftliche Stimmungsbarometer unserer Region, auf 97,7 Zähler (+2,3 Punkte) geringfügig steigen. Das ist das Ergebnis unserer Konjunkturumfrage unter 300 Unternehmen.
„Die Politik lässt eine klare Strategie zur Pandemiebekämpfung vermissen“, beklagt Dr. Thomas Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer der IHK. Das werde aus den vielen Kommentaren der Unternehmerinnen und Unternehmen ersichtlich.

Erholung schwächt sich ab

Fast alle Branchen bewerten die aktuelle Lage schlechter als im Vorquartal. Das gilt besonders für den Einzelhandel sowie für das Verkehrs- und Logistikgewerbe. Der Großhandel meldet nach einem guten Vorquartal nun eine verhaltene Entwicklung. Zunehmend berichten die Betriebe auch aus anderen Branchen von Lieferschwierigkeiten und steigenden Einkaufs- und Rohstoffpreisen, die die Margen drücken.
 
Getragen wird die Erholung in erster Linie von der Industrie. Hier bewertet jeder zweite Befragte die Lage als gut, rund jeder Fünfte als schlecht. Zurückzuführen ist die gute Stimmung vor allem auf die Elektroindustrie, dem Metallbau sowie dem Maschinenbau. Generell macht sich auch die steigende Nachfrage aus dem Ausland bemerkbar. Bei den unternehmensbezogenen Dienstleistern bleibt die Stimmung wie schon im Vorquartal positiv.

Noch weit von tragendem Aufschwung entfernt

„Die Hoffnung, dass das Impfen ab dem 2. Quartal 2021 schneller vorankommt und sich damit die Diskussionen um Öffnungsstrategien erübrigen, stimmt die Befragten etwas zuversichtlicher als noch zum Jahresanfang“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Der Saldo aus den optimistischen und pessimistischen Antworten bleibe aber noch negativ (-13,3 Punkte; Vorquartal: -19,8 Punkte).
Die Investitionsneigung bleibt zurückhaltend. Lediglich in der Industrie und im Baugewerbe planen mehr Unternehmen, ihre Investitionsausgaben zu erhöhen als zu senken. In den übrigen Branchen ist es umgekehrt. „Damit sind wir noch weit von einem sich selbst tragendem Aufschwung entfernt“, so Hildebrandt.
 
„Was wir in erster Linie brauchen, sind verlässliche Regeln von der Politik, damit die Betriebe planen können“, wünscht sich der IHK-Hauptgeschäftsführer. Viele Unternehmen hätten die Zeit genutzt, ihre Betriebsabläufe zu optimieren, die Digitalisierung voranzutreiben, neue Märkte sowie Vertriebswege zu erschließen – das stimme zuversichtlich. Nun brauche es eine klare Öffnungsstrategie. Dann werde auch wieder investiert und Personal eingestellt, so Hildebrandt.
Branchenergebnisse

Branchenergebnisse

In der Industrie ist der Auftragseingang insgesamt zum dritten Mal in Folge gestiegen. Vor allem die Inlandsaufträge haben im 1. Quartal 2021 zugenommen. Der Export zieht ebenfalls an. Das Gros der Befragten bewertet mittlerweile den Auftragsbestand als zumindest ausreichend. Der Ausblick auf die nächsten Monate bleibt noch verhalten.
Leicht zurückgegangen ist in den ersten Monaten dieses Jahres hingegen der Auftragseingang im Baugewerbe. Hier macht sich die geringe Investitionsneigung anderer Branchen bemerkbar. Die Auftragsreichweite ist bei vielen Betrieben aber noch hoch. Lieferprobleme und steigende Rohstoffpreise trüben die Erwartung für die kommenden Monate.
Fehlende Perspektiven setzen dem stationären Einzelhandel weiter zu. Jeder zweite Betrieb bewertet die aktuelle Geschäftslage als schlecht. Die momentane Finanzlage ist geprägt von Eigenkapitalrückgängen und Liquiditätsengpässen. Auch der Blick in die Zukunft zeigt sich im stationären Einzelhandel pessimistisch. Die Stimmung ist jedoch nicht bei allen Händlern gleichermaßen getrübt: Der Onlinehandel etwa gilt weiterhin als Gewinner der Krise und erwartet, dass die Umsätze in Zukunft steigen werden.
Der Großhandel meldet nach einem sehr gut verlaufenen Vorquartal eine verhaltene Entwicklung, die positiven und die negativen Stimmen gleichen sich aus. Hierbei zeigt sich der Binnengroßhandel robuster als der Im- und Export-Großhandel. Die zukünftige Entwicklung wird pessimistischer gesehen als im Vorquartal. Chancen für die Zukunft versprechen sich die Unternehmen durch den Ausbau ihrer Digitalisierungsmaßnahmen.  
Für das Transport und Logistikgewerbe waren die ersten drei Monate 2021 ein schwieriges Quartal. Sowohl das Beförderungsvolumen als auch der Umsatz blieben deutlich hinter dem Vorquartal zurück und entwickelten sich auch schlechter als im ersten Quartal 2020. Der Fachkräftemangel sowie hohe Treibstoffkosten machen den Unternehmen zusätzlich zu schaffen.
Die Dienstleistungsbranche berichtet von einer guten Geschäftsentwicklung, die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage bleibt auf dem Niveau des Vorquartals. Besonders gut laufen die Geschäfte beim Grundstücks- und Wohnungswesen sowie der Steuer- und Unternehmensberatung. Der Auftragseingang hat bei den Dienstleistern nachgelassen, entsprechend vorsichtig sind die Erwartungen für die zukünftige Konjunkturentwicklung.
Unser Serviceteam Corona erreichen Sie unter 0441 2220-317 und über corona@oldenburg.ihk.de. Bitte beachten: Zum Stand der Anträge bei den Förderbanken können wir keine Angaben machen. Weitere Informationen unter www.ihk-oldenburg.de/corona.