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Mehr Zeit für Vorstellungsgespräche
Kleine Investition – große Wirkung
Bis es zu diesem ersten persönlichen Treffen kommt, sind bereits zahlreiche Merkmale der Bewerbungen bewertet, priorisiert und sortiert worden – immer entlang der Vorstellung unseres Wunschprofils. In der „letzten Runde“ muss nun die Entscheidung fallen. Dass dies offensichtlich nicht immer einfach ist, lässt die Zahl der vorzeitigen Ausbildungsabbrüche vermuten. 22,1 Prozent weist der Berufsbildungsbericht 2011 für das Jahr 2009 aus. Diese Zahl ist zwar deutlich geringer als die der Studienabbrüche, aber noch immer eindeutig zu hoch. Denn: Ausbildungsabbrüche sind für alle Beteiligten frustrierend und teuer zugleich. Kosten, die nicht anfallen müssen.
Ein optimal vorbereitetes und geführtes Vorstellungsgespräch zählt zu den einfachen und kostengünstigen Maßnahmen, mit denen solche Kosten von vornherein niedrig gehalten oder sogar ganz gespart werden können. Es erhöht die Chance deutlich, dass Bewerber die Ausbildung erfolgreich durchlaufen und nach bestandener Prüfung im Unternehmen verbleiben.
Befragungen von Personalverantwortlichen haben ergeben, dass für ein Vorstellungsgespräch mit potentiellen Auszubildenden Zeitspannen zwischen 15 und 45 Minuten eingeplant werden. Zieht man vom geplanten Zeitansatz Begrüßungsfloskeln, Warmlaufphase, Standardfragen und Antwortzeiten ab, wird schnell klar: Selbst 45 Minuten können kaum ausreichen, um die Kandidaten wirklich kennen zu lernen.
Vertiefte Einblicke ...
- Dass der Zeitumfang für das persönliche Kennenlernen dennoch so gering ist, verwundert um so mehr, wenn man die Gazetten nach dem Fachkräftethema durchforstet: Allenthalben stößt man auf Hinweise, Bewerber ganzheitlicher zu betrachten, sich vertiefte Einblicke zu verschaffen und ein echtes Kennenlernen zu arrangieren – auch mit dem Augenmerk auf hohe Rekrutierungskosten und darauf, dass Fehlentscheidungen aus ökonomischen Gründen möglichst zu vermeiden sind. Die Ausbildungsabbruchkosten am Ende der Probezeit belaufen sich leicht auf 5000 Euro.
... weniger Fehlentscheidungen!
- Verlängert man das Vorstellungsgespräch zeitlich um 10 bis 15 Minuten und geht intensiver auf die Persönlichkeit des Bewerbers ein, kann man die Risiken einer Fehlentscheidung deutlich verringern. Und das ist angesicht zurückgehender Bewerberzahlen umso wichtiger.
Sprechen Sie mit den Bewerbern auch über deren Schulerfahrungen, darüber, was sie erlebt haben, wonach sie streben und welche Meinungen sie zu bestimmten Themen haben. Lassen Sie sie über ihre Hobbies und besonderen Erlebnisse berichten, fragen Sie nach ihren Erfahrungen mit den schulischen und elterlichen Maßnahmen zur Berufsorientierung, nach ihrem Freizeitverhalten, nach ihren Ängsten und Hoffnungen. Ein Vorstellungsgespräch, das mit diesen oder ähnlichen Themenfeldern angereichert ist, wird immer mehr Entscheidungshilfen liefern als standardisierte Vorgehensweisen.
Die Richtigen zu finden, ist sicherlich auch zukünftig nicht einfach. Aber sich etwas mehr Zeit für diejenigen zu nehmen, die insgesamt für geeignet gehalten werden, ist relativ leicht. Es kostet pro Bewerber vielleicht 15 Minuten mehr Zeitaufwand und kann im Zweifelsfall ein paar tausend Euro sparen – das ist eine verdammt gute Rendite!
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